Die Kosmonauten
Roman von Richard David Precht
Am Tag der Wiedervereinigung lernen sich Georg und Rosalie in einer Kölner Straßenbahn kennen, ziehen nach Berlin-Mitte und erkunden die Stadt wie einen fremden Planeten – während über ihnen der letzte sowjetische Kosmonaut kreist.
- 416 Seiten
- Tempo: gemächlich
- Anspruch: mittel
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Leser von Berlin- und Wenderomanen, Liebesgeschichten mit Zeitkolorit und Precht-Leser, die ihn als Romancier kennenlernen wollen.
Allwissender Erzähler, der zwischen Georg und Rosalie wechselt, kurze nummerierte Kapitel. Bildreiche, verspielte Sprache mit vielen Vergleichen, dazwischen essayistische Abschweifungen (etwa über die französische Theorie in Rosalies Studium), leise Ironie. Eher Stimmung als Handlung.
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: „Herr Lehmann“ (Sven Regener) – Berlin zur Zeit des Mauerfalls aus Sicht eines Westlers, komischer im Ton; „Lenin kam nur bis Lüdenscheid“ (Precht) – sein autobiografisches Buch über die linke Bundesrepublik vor 1989.
- Wissenswert: Der Roman beginnt nicht in Köln, sondern in Baikonur: mit dem realen Kosmonauten Sergej Krikaljow, der zur Raumstation MIR aufbricht (Leseprobe, Kapitel 1, 2026-10-28).
Worum es geht
- Kapitel 1: Krikaljow verabschiedet sich in Leninsk von seiner Frau und startet mit der Mission Sojus TM-12 zur MIR.
- Kapitel 2–5: Köln am 3. Oktober. Georg, knapp 28, hat gerade seinen Konzernjob gekündigt; Rosalie, 26, Kunsthistorikerin, jobbt in einer Galerie. Nach einem Tag im Museum und am Rhein verlieben sich beide, obwohl jeder noch gebunden ist, und beschließen, gemeinsam nach Berlin zu gehen.
- Kapitel 6: Ankunft im winterlichen Berlin, eine Altbauwohnung in Mitte vom Bezirksamt, erste Streifzüge durch die Stadt.
- Laut Verlag reicht das Ersparte nur eine Weile: Georg wird Hilfstierpfleger im Tierpark, Rosalie geht in eine Werbeagentur, die Berlin vermarktet.
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Erstausgabe Kiepenheuer & Witsch 2003, seit 2009 bei Goldmann als Taschenbuch und E-Book.
Stimmen aus Rezensionen
- NZZ, Stephan Maus (4.12.2003, nach Perlentaucher): „ein kleines literarisches Wunder“; die Liebesgeschichte spiegle die Berliner Nachwendezeit, sprachlich originell, mit Humor und amüsanten Tierbeschreibungen.
- FAZ, Georg Diez (21.5.2003, nach Perlentaucher): gute Grundidee, aber zu lang und nicht straff genug, die Sprache oft selbstgefällig, eine „Benennungs- und Befindlichkeitsprosa“, die Figuren und Stadt aus den Augen verliere.
- SZ, Ijoma Mangold (17.3.2003, nach Perlentaucher): hübsches Deutsch und gelungene Nebenfiguren, doch die Hauptfiguren blieben schematisch; der deutende allwissende Erzähler mache den Roman langatmig.
