Lügen über meine Mutter
Roman von Daniela Dröscher
Eine Tochter rekonstruiert ihre Kindheit im Hunsrück der 1980er, in der der Vater das Gewicht der Mutter für jedes eigene Scheitern verantwortlich machte – und fragt heute, was damals wirklich geschah.
- 443 Seiten
- Tempo: ausgewogen
- Anspruch: mittel
Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783462006575).
Leser von autofiktionaler Familienliteratur à la Annie Ernaux (Vergleich laut Deutschlandfunk Kultur); laut SZ besonders für alle, die selbst in den Achtzigern aufgewachsen sind.
Zwei Ebenen im Wechsel: kurze, chronologische Kapitel aus Sicht des Kindes (Ich-Form, Präteritum, ab 1983, jedes Jahr mit Motto-Überschrift) und essayistische „Zwischenkapitel“ der erwachsenen Erzählerin im Präsens. Klare, szenische Sprache mit Dialekt-Einsprengseln, unterschwellig angespannt, stellenweise komisch.
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: Annie Ernaux, „Der Platz“ (Herkunft, Scham, Klasse); Daniela Dröscher, „Zeige deine Klasse“ (Memoir der Autorin, an das der Roman laut SZ anknüpft).
- Wissenswert: Shortlist Deutscher Buchpreis 2022 (laut Verlag). Verfilmung von Aron Lehmann mit Rosalie Thomass, Kinostart 08.10.2026 (Filmstarts, filmstarts.de, abgerufen 2026-10-14).
Worum es geht
- Ein Dorf im Hunsrück, 1983: Die Ich-Erzählerin ist ein Kindergartenkind, Einzelkind mit Puppe und Kater. Der Vater, Ingenieur mit Aufstiegsplänen, streitet fast täglich mit der Mutter, weil er sie „zu dick“ findet; die Großeltern väterlicherseits wohnen im selben Haus und mögen die Familie der Mutter („von auswärts“, Schlesiendeutsche) nicht.
- Die Mutter arbeitet in einer Lederwarenfabrik, ist elegant, eigenwillig und hütet Geheimnisse, vor allem ums Geld. Das Kind beobachtet beide Eltern wie eine „kleine Privatdetektivin“.
- Zentrale Frage: Wer hat in dieser Familie welche Lügen über wen erzählt – und wie lässt sich über die Mutter schreiben, ohne den Blick des Vaters zu wiederholen?
Auszeichnungen & Listen
- Deutscher Buchpreis 2022: Shortlist (laut Verlag und E-Book-Impressum/Autorinnenbiografie).
- Verfilmung „Lügen über meine Mutter“ (Regie Aron Lehmann, Verleih Tobis), Kinostart 08.10.2026 (Filmstarts, abgerufen 2026-10-14).
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Gebundene Erstausgabe 2022, Taschenbuch 2024 (Titelzusatz „Ab 08. Oktober im Kino“).
Stimmen aus Rezensionen
- Perlentaucher-Übersicht (perlentaucher.de): Die Zeit (Antonia Baum, 13.10.2022) uneingeschränkte Empfehlung, lobt die vielschichtige Erzählweise; NZZ (Paul Jandl, 19.09.2022) „messerscharf“ antipatriarchal, aber keine gemütliche Lektüre.
- Süddeutsche Zeitung (Johanna Adorján, 19.08.2022, laut Perlentaucher): Empfehlung; Kritik: einige Kommentare der erwachsenen Erzählerin wirkten „pseudophilosophisch“.
- Frankfurter Rundschau (Judith von Sternburg, 14.10.2022, laut Perlentaucher): originell und packend, die Länge gerechtfertigt; die erklärenden Einschübe wirkten zunächst entbehrlich.
Inhaltshinweise
- Laut Verlag und Rezensionen: Bodyshaming, psychische und verbale Gewalt in der Ehe, Demütigung; FAZ nennt das Familienbild schwer erträglich (2026-10-14).




