Die Lücken

Roman von Shida Bazyar

Ein fiktives Hunsrück-Dorf, fast hundert Jahre Geschichte und eine tote Erzählerin, die freilegt, worüber der Ort schweigt – von der Vertreibung jüdischer Familien bis zur Ankunft iranischer Geflüchteter.

  • 512 Seiten
  • Tempo: gemächlich
  • Anspruch: anspruchsvoll

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783462005011).

Für wen?

Leser literarischer Gegenwartsromane, die vielstimmige Gesellschafts- und Erinnerungsromane mögen und sich auf eine anspruchsvolle, verschachtelte Sprache einlassen.

Wie liest es sich?

Laut Rezensionen kaleidoskopartig zwischen Zeiten und Figuren springend, erzählt von einer toten Erzählerin mit allwissendem Blick; Ton zart, präzise und ohne Empörung (Die Zeit), „sensibel und wütend“ (FAZ), melancholisch-atmosphärisch (NZZ) – nach Perlentaucher, 2026-10-14. Eher ruhiges Tempo.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: Jenny Erpenbeck „Heimsuchung“ (ein Ort, viele Zeitschichten deutscher Geschichte), Saša Stanišić „Vor dem Fest“ (vielstimmiger Dorfroman), Dörte Hansen „Mittagsstunde“ (Dorf im Wandel, ohne NS-Fokus).
  • Wissenswert: Deutscher Buchpreis 2026, verliehen am 12.10.2026 im Frankfurter Römer, Jury: „Ein Roman gegen Gleichgültigkeit“ (Kiepenheuer & Witsch, 13.10.2026). Heimesbach ist an Bazyars Geburtsort Hermeskeil angelehnt (taz/FAZ laut Perlentaucher).

Worum es geht

  • Heimesbach im Hunsrück ist erfunden, trägt aber rund neunzig Jahre deutscher Geschichte in seinen Häusern und Familien. Der Roman wandert durch Jahrzehnte und Köpfe: jüdische Familien, die alles verlieren; NS-Profiteure, die sich nach dem Krieg als Mitläufer neu erfinden; und die Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran fliehen und im Dorf ankommen. Erzählt wird von einem früh verstorbenen Mädchen aus einer geflüchteten Familie, das die Schichten des Ortes freilegt. Zentrale Frage: Auf welchem verdrängten Fundament steht das, was ein Dorf „Heimat“ nennt? Fiktive und dokumentarische Elemente sowie historische Figuren sind verwoben (Jury-Begründung); ein Nachwort nennt reale Vorbilder (Die Zeit laut Perlentaucher).

Auszeichnungen & Listen

  • Deutscher Buchpreis 2026 (Kiepenheuer & Witsch, kiwi-verlag.de, 13.10.2026).
  • Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026, Verleihung im November 2026 (gleiche Quelle).

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Gebundene Ausgabe (KiWi, 2026), E-Book (ISBN 9783462311686 laut book2look), Audible-Hörbuch.

Stimmen aus Rezensionen

  • FAZ (Andreas Platthaus, 02.09.2026, laut Perlentaucher perlentaucher.de): „bemerkenswertester deutscher Roman dieses Bücherherbstes“, ein „großes Kunstwerk“; kein Kritikpunkt genannt.
  • Die Zeit (Jolinde Hüchtker, 10.09.2026, laut Perlentaucher): „überwältigendes Porträt“ eines Dorfes, das seine NS-Vergangenheit verdrängt; zarter, präziser Ton ohne Empörung.
  • taz (Jens Uthoff, 19.09.2026, laut Perlentaucher): anfangs zurückhaltend, dann überzeugt; Kritik: Vielschichtigkeit und verschachtelte Sätze fordern heraus.

Inhaltshinweise

  • Laut Rezensionen: NS-Verbrechen, Vertreibung und Ermordung jüdischer Menschen, Gewalt, Trauma, Flucht und Ausgrenzung bis in die Gegenwart (Perlentaucher, 2026-10-14).

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