Eine Hymne an das Leben

Die Scham muss die Seite wechseln von Gisèle Pelicot, Judith Perrignon

Die Frau, die 2024 im Prozess von Avignon auf Anonymität verzichtete, erzählt selbst – von dem Morgen auf der Polizeiwache, an dem ihr altes Leben endete, von ihrer Kindheit, fünfzig Jahren Ehe und dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

  • 256 Seiten
  • Tempo: ausgewogen
  • Anspruch: mittel

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783492074353).

Für wen?

Leser von Memoiren und Zeitgeschichte, alle, die den Pelicot-Prozess verfolgt haben und ihre eigene Sicht kennenlernen wollen; Interesse an Debatten über sexuelle Gewalt.

Wie liest es sich?

Ich-Erzählerin im Präteritum, ruhig und genau beobachtend; Alltagsdetails (der am Vorabend gedeckte Frühstückstisch) stehen hart neben dem Ungeheuerlichen. Zurückhaltend, nicht reißerisch; laut Rezensionen weitgehend chronologisch mit Rückblenden in Kindheit und Ehe.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: Annie Ernaux’ autobiografische Bücher (FAZ zieht den Vergleich); Vanessa Springora „Die Einwilligung“ – ebenfalls ein französisches Memoir über sexuellen Missbrauch, das eine gesellschaftliche Debatte auslöste.
  • Wissenswert: Erschien laut Welt (18.02.2026) in 22 Ländern gleichzeitig; Perlentaucher führt es als „Sachbuch des Monats 03/2026“. Der Satz „Die Scham muss die Seite wechseln“ stammt aus dem Prozess 2024 (Verlag).

Worum es geht

  • Ausgangslage: November 2020 in der Provence. Nach einer harmlos scheinenden Vorladung legt ein Kommissar der Autorin Fotos vor, die sie selbst zeigen – betäubt, missbraucht von fremden Männern, organisiert von ihrem Ehemann.
  • Danach laut Verlag und Rezensionen: Ermittlungen, der öffentliche Prozess gegen den Ex-Mann und über 50 weitere Angeklagte, Rückblicke auf den frühen Tod der Mutter, die Jugend und die lange Ehe, Spannungen in der Familie und der Versuch, das Leben danach zu bejahen.

Auszeichnungen & Listen

  • SPIEGEL-Bestseller (Kennzeichnung auf piper.de, abgerufen 2026-10-14; Platz/Datum nicht angegeben); Perlentaucher „Sachbuch des Monats 03/2026“. Preise/Verfilmung: keine gefunden (2026-10-14).

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Keine weiteren Bücher der Autorin in der Datenbank.

Stimmen aus Rezensionen

  • Perlentaucher-Übersicht (perlentaucher.de) mit Notizen zu FAZ, SZ, NZZ, Welt, taz, FR und Deutschlandfunk Kultur (17.–19.02.2026): durchweg positiv. SZ (Johanna Adorján) nennt es „würdig“ und lesenswert; NZZ (Rahel Zingg) lobt analytische Klarheit, sieht aber die Gefahr einer „verteidigenden Psychologisierung“ des Ex-Mannes; Welt (Martina Meister) liest es „atemlos“, findet den deutschen Titel aber „reißerisch“.
  • taz (Valérie Catil, 18.02.2026, laut Perlentaucher): Schreiben als Erkenntnisprozess; nicht immer leicht zu folgen, wenn Pelicot den Täter nicht nur als „Monster“ sehen will.
  • NWZ (nwzonline.de,2,3981422575.html): eher Porträt einer Frau aus einem veralteten Rollenbild als „Liebeserklärung an das Leben“; ihr Festhalten am Glauben an die Liebe sei das stärkste Argument für das Buch.

Inhaltshinweise

  • Sexuelle Gewalt, Vergewaltigung unter Betäubung, Voyeurismus, Missbrauch in der Familiengeschichte (Verlag, Leseprobe, Rezensionen 2026-10-14).
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