Schnelles Denken, langsames Denken

von Daniel Kahneman

Der Nobelpreisträger erklärt unser Denken als Zusammenspiel zweier „Figuren“ – des schnellen, intuitiven System 1 und des langsamen, anstrengenden System 2 – und zeigt, wo uns Intuition systematisch in die Irre führt.

  • 624 Seiten
  • Anspruch: anspruchsvoll

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783328100348).

Für wen?

Neugierige Leser mit Geduld für ein dickes Sachbuch: Entscheider, Anleger, Wirtschafts- und Psychologie-Interessierte; kein schneller Ratgeber.

Wie liest es sich?

Ruhig, gelehrt, mit viel Selbstironie; lädt laufend zu Mitmach-Experimenten ein (Steve, der Bibliothekar; 17 × 24; Müller-Lyer-Illusion). Lange Absätze, Fußnoten, Abbildungen; Siezen. Die Zeit fand es „lang, aber nie langweilig“.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Nudge“ (Thaler/Sunstein) – angewandte Verhaltensökonomik; „Der Schwarze Schwan“ (Nassim Taleb) – von Kahneman selbst als Einfluss genannt; „Die 1%-Methode“ (die-1-prozent-methode) – praktischer, aber ebenfalls über unbewusste Muster.
  • Wissenswert: Die Grundideen entstanden 1969 bei einem Seminar und einem Mittagessen mit Amos Tversky in Jerusalem; den Nobelpreis 2002 hätte Tversky geteilt, wäre er nicht 1996 gestorben (Einleitung). Rechenbeispiel zum Ausprobieren: In den USA kommen auf jeden männlichen Bibliothekar zwanzig Landwirte.

Worum es geht

  • Fünf Teile, 38 Kapitel: I Zwei Systeme (Aufmerksamkeit, Priming, kognitive Leichtigkeit, Halo-Effekt), II Heuristiken und Verzerrungen (Anker, Verfügbarkeit, „Linda“, Regression), III Selbstüberschätzung (Illusion des Verstehens, Experten-Intuition, Planungsfehlschluss), IV Entscheidungen (Neue Erwartungstheorie, Verlustaversion, Framing), V Zwei Selbste (erlebendes vs. erinnerndes Selbst, Wohlbefinden).
  • Belegbasis: Jahrzehnte eigener Forschung mit Tversky und die Literatur der Kognitions- und Sozialpsychologie; die beiden Originalaufsätze (Science 1974 sowie ein Aufsatz von 1984) stehen im Anhang.

Auszeichnungen & Listen

  • Laut Verlag (Leseprobe, abgerufen 2026-10-14) nach Erscheinen auf den Bestsellerlisten der New York Times und des SPIEGEL; Rang/Datum nicht angegeben. Wirtschaftsnobelpreis 2002 für die zugrunde liegende Forschung (Autorenangabe in der Leseprobe).

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband; deutsche Erstausgabe Siedler 2012 (gebunden, 640 Seiten laut Perlentaucher), Taschenbuch bei Penguin seit 2016 (Leseprobe: 28. Auflage).

Stimmen aus Rezensionen

  • Uwe Jean Heuser, Die Zeit (16.05.2012, nach Perlentaucher perlentaucher.de): erschüttert das Bild vom rationalen Markt und Menschen; lang, „ein bisschen scharf und pedantisch“, aber nie langweilig, Autor nimmt sich selbst nicht aus.
  • Georg Diez, Der Spiegel (zitiert vom Verlag): voller Geschichten, die die Wahrnehmung infrage stellen, „begeisternd pragmatisch“.
  • Replikationskritik: Ulrich Schimmack u. a. bemängelten 2017 die schwache Statistik der Priming-Studien im Buch; Kahneman räumte ein, er habe „unterdimensionierten Studien“ zu sehr vertraut (Retraction Watch, 20.02.2017, retractionwatch.com).
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