Auserzählt?

Wie künstliche Intelligenz die Kultur abschafft von Richard David Precht

Während Precht das Arbeitszimmer seines demenzkranken Vaters ausräumt, fragt er, ob mit generativer KI nicht nur ein Leben, sondern Kultur selbst zu Ende geht.

  • 224 Seiten
  • Anspruch: anspruchsvoll

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Für wen?

Leser von Essays und Kulturkritik, Precht-Publikum aus Podcast und Fernsehen, alle, die über KI nicht technisch, sondern über Sinn, Kunst und Verstehen nachdenken wollen.

Wie liest es sich?

Ich-Erzähler im Präsens, eröffnet mit einer stillen, melancholischen Vaterszene, dann ein langer, begriffsreicher Essay mit vielen Zitaten (Arno Schmidt, Kracauer, Nietzsche, Gehlen). 14 kurze Kapitel, die Precht selbst „Miniaturen“ nennt. Lange Sätze, gehobener Wortschatz.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ (Precht, 2020) – sein früheres KI-Buch, stärker zur Frage des Menschenbilds; „Angststillstand“ (Precht, 2025) – gleicher Verlag, gleicher essayistischer Ton.
  • Wissenswert: Das Umschlagmotiv ist Caspar David Friedrichs „Das Eismeer“; ein Motto stammt aus dem „Pariser Tagebuch“ (1954) seines Vaters Hans-Jürgen Precht (Leseprobe, 2026-10-14). Die Leseprobe weist bereits zum Erscheinen die „2. Auflage“ aus.

Worum es geht

  • Kapitel I „Auf der Sandbank“: Der Vater, 93 Jahre alt, versteht noch, behält aber nichts mehr. Er hat jahrzehntelang geschrieben – über Morandi, Husserl, Kleingärten – und nie etwas veröffentlicht. Beim Abbau seiner Regale kommt Precht der Gedanke, dass mit dieser Generation auch „Kultur“ im emphatischen Sinn endet.
  • Kapitel II „Werkstoff der Träume“ beginnt die Analyse: Technik diente dem Überleben, Kultur dem Zusammenleben; nun bestimmt KI beides. Precht betont, KI sei kein böser Akteur, ihre Folgen aber würden unterschätzt.
  • Angekündigte Themen: Ende von Zeit- und Raumbezügen, von Verstehen und Abenteuer, von gesellschaftskritischer Kunst und politischer Kultur.

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Frühere Precht-Titel bei Goldmann u. a. „Angststillstand“ (2025).

Stimmen aus Rezensionen

  • Tagesspiegel, Gerrit ter Horst (2026-10-09, tagesspiegel.de): bewegend sei der Abschied vom demenzkranken Vater; spöttisch gegenüber der großen These vom Ende der Kultur und Prechts Rolle als Zuspitzer (Rest hinter Bezahlschranke).
  • itigefo.de, Heiko Schnickmann (2026-10-10, itigefo.de): lobt die „leise Melancholie“ und den Aufbau, gern gelesen; widerspricht aber in der Sache – nicht die KI selbst sei das Problem, bewusster Umgang könne viel lehren.

Inhaltshinweise

  • Demenz und Sterben eines Elternteils (Leseprobe, 2026-10-14).

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