Dreihundert Männer

Aufstieg und Fall der Deutschland AG von Konstantin Richter

150 Jahre deutsche Wirtschaftsgeschichte als Erzählung über das Netzwerk aus Bankiers, Industriellen und Lobbyisten, das von der Kaiserzeit bis in die 1990er die „Deutschland AG“ bildete.

  • 543 Seiten
  • Tempo: ausgewogen
  • Anspruch: anspruchsvoll

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783518432525).

Für wen?

Leser erzählender Sachbücher, die verstehen wollen, wie Konzerne wie Krupp, Siemens, Daimler oder die Deutsche Bank das Land geprägt haben – und warum dieses Geflecht zerfiel.

Wie liest es sich?

Szenisch und anekdotisch, mit trockenem Humor; der Prolog beginnt bei Brahms' Erster Symphonie, Kapitel 1 im Präsens mit dem Bankier Hermann Wallich auf einem Dampfer 1870, dann Wechsel ins Präteritum und kurze, mit Sternchen getrennte Szenen. Ich-Erzähler tritt gelegentlich auf. Der Deutschlandfunk nennt es den „Wirtschaftsroman, der fehlte“ (16.01.2026, laut Perlentaucher).

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: Florian Illies, „1913“ (szenische Geschichtsschreibung – die taz spricht von einer „Florian-Illisierung“); Jan-Ottmar Hesse, „Exportweltmeister“ (deutsche Wirtschaftsgeschichte als Sachbuch).
  • Wissenswert: Der Titel geht auf Walther Rathenau zurück, der 1909 über die „dreihundert Männer“ schrieb, die über die Wirtschaft entschieden (Leseprobe). Deutscher Sachbuchpreis 2026 (Perlentaucher, 09.06.2026).

Worum es geht

  • Aufbau: Prolog, drei „Bücher“ (1870–1914, 1914–1945, 1945–2000) mit 15 Kapiteln von „Gründerjahre“ über „Hitler“, „Rüstung“ und „Barbarei“ bis „Reuter und Herrhausen“ und „New Economy“, Epilog zum neuen Jahrtausend, Quellen, Firmen- und Namenregister (Inhaltsverzeichnis).
  • Kernthese: Die über Aktienpakete und Aufsichtsräte verflochtenen Banken, Versicherer und Konzerne waren eine eigene Kultur, die Kriege und Krisen überstand und in den letzten Jahrzehnten aufgelöst wurde – die Deutschland AG verdiene einen „Nachruf“ (Prolog).
  • Belegbasis: Erinnerungen und Briefe der Akteure; Literaturverzeichnis als PDF beim Verlag.

Auszeichnungen & Listen

  • Deutscher Sachbuchpreis 2026 (Perlentaucher Efeu, 09.06.2026, mit SZ- und FAZ-Kommentar; Verlag).
  • Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2026 und SPIEGEL-Bestseller (beides nur laut Verlagsseite, 2026-10-14).

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband; Broschur-Ausgabe siehe oben.

Stimmen aus Rezensionen

  • Süddeutsche Zeitung, Daniel Siemens (27.10.2025, Notiz bei perlentaucher.de): kenntnisreiches Zeitpanorama, Unternehmens- und Lebensgeschichten geschickt verbunden, humorvoll; dünner bei Ostdeutschland und der NS-Industrie.
  • FAZ, Hartmut Berghoff (05.01.2026, ebd.): anschaulich, flott, informativ; Figuren kaum genau charakterisiert, zu wenig Differenzierung und innere Konkurrenz der Elite.
  • Deutschlandfunk, Jan Drees (16.01.2026, ebd.): literarisch komponierte Anekdoten plus systemische Analyse – „großer Wurf“. taz (24.01.2026, ebd.): mitreißend, aber der „halbmythische“ Charakter werde nicht deutlich genug markiert.

Inhaltshinweise

  • Kapitel zu Krieg, NS-Herrschaft, Rüstung und „Barbarei“ (Inhaltsverzeichnis); sonst keine genannt (2026-10-14).
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