Liebe

Ein unordentliches Gefühl von Richard David Precht

Precht nimmt sich die geschlechtliche Liebe vor und prüft, was Evolutionsbiologie, Hirnforschung, Psychologie und Soziologie wirklich über sie wissen – und was davon Steinzeit-Fantasie ist.

  • 400 Seiten
  • Anspruch: mittel

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442155545).

Für wen?

Leser, die Beziehungsratgebern misstrauen und lieber verstehen als Tipps bekommen; Einsteiger ohne Vorwissen.

Wie liest es sich?

Plaudernder Ich-Ton mit direkter Ansprache („Sie“), viel Ironie und Pointen (Asterix-Anspielung, Spott über „Männer können nicht zuhören“-Bestseller), dazwischen Forscherporträts und Zitate. 14 Kapitel in drei Teilen, meist 20–30 Seiten lang. Kapitel 1 liest sich eher als Streitschrift gegen die evolutionäre Psychologie.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ (Precht, 2007) – laut Einleitung Ausgangspunkt; „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ (Precht, 2010) – gleicher Aufbau, Thema Moral; „Die Kunst des Liebens“ (Erich Fromm) – Fromm wird in der Einleitung genannt, Kapitel 9 fragt „Ist Lieben eine Kunst?“.
  • Wissenswert: Die Einleitung heißt „Männer wollen auf die Venus und Frauen ein Mars“, und Precht verspricht ausdrücklich, dass das Buch niemandem im Schlafzimmer weiterhilft (Leseprobe). Motto: Ingeborg Bachmanns „Erklär mir, Liebe!“.

Worum es geht

  • Gegenstand ist nur die geschlechtliche Liebe zu einem Partner. Precht will Natur- und Geisteswissenschaften zusammenbringen.
  • Teil „Frau und Mann“ (Kapitel 1–5): biologische und kulturelle Grundlagen der Geschlechterrollen – Gene, Sexualverhalten, angeblich verschiedene Gehirne, Anteil der Kultur.
  • Teil „Die Liebe“ (Kapitel 6–10): warum es Liebe überhaupt gibt, warum sie keine bloße Emotion ist, was Hirnchemie und Kindheit beitragen, Liebe als Spiel mit Erwartungen.
  • Teil „Liebe heute“ (Kapitel 11–14): romantische Sehnsucht, Romantik als Konsum, Familie im Wandel.
  • Kapitel 1 „Ein dunkles Vermächtnis“ zeichnet die Geschichte der Soziobiologie nach (Darwin, Desmond Morris, Konrad Lorenz) und zweifelt an Steinzeit-Erklärungen für heutiges Verhalten.

Auszeichnungen & Listen

  • SPIEGEL-Bestseller von März bis Dezember 2009 laut Wikipedia-Artikel „Liebe: Ein unordentliches Gefühl“ (abgerufen 2026-10-28; dort ohne Einzelbeleg).

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Hardcover 2009, Taschenbuch 2010 (Goldmann). Hörbuch-Download (gekürzt, 5 h 12 min, gelesen von Richard David Precht und Caroline Mart, erschienen 2009-03-11 laut Verlag).

Stimmen aus Rezensionen

  • Spektrum.de / Gehirn und Geist, Katja Schwab (2009-05-14, spektrum.de): Wissen werde „charmant und amüsant“ vermittelt, klug und abseits der Ratgeber; Kritik: der Rundumschlag treffe auch seriöse Evolutionsforschung, manches sei zu ausführlich.
  • Süddeutsche Zeitung, Malte Dahlgrün (2009-12-09, laut Perlentaucher): scharfer Verriss – Precht habe die kritisierten Theorien der evolutionären Psychologie nicht verstanden, das Buch sei unordentlich und voller falscher Aussagen.
  • Die Zeit, Susanne Schmetkamp (2009-03-13, laut Wikipedia; Seite selbst nicht abrufbar): einige Thesen spannend, aber nichts Bahnbrechendes; wichtige Philosophen kämen zu kurz.

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