Die Kunst, kein Egoist zu sein

Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält von Richard David Precht

Fast alle halten sich für die Guten – Precht fragt mit Philosophie, Primatenforschung, Hirnforschung und Sozialpsychologie, warum trotzdem so viel schiefläuft und wie man Gesellschaft so umbauen könnte, dass das Gute leichter fällt.

  • 544 Seiten
  • Anspruch: mittel

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442156313).

Für wen?

Leser, die Moral nicht gepredigt, sondern erklärt haben wollen; Einsteiger in Ethik, die vor gut 500 Seiten nicht zurückschrecken.

Wie liest es sich?

Lockerer, pointierter Essayton mit Ich-Erzähler und Seitenhieben auf Gegenwart und Medien – Platons Dialoge heißen hier „Talkshow“, Sokrates ist der „Talkmaster“. Kurze Kapitel (meist 10–13 Seiten) mit Doppeltiteln, viele Zitate und Anmerkungen.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ (Precht, 2009) – gleiches Muster aus Biologie, Psychologie und Gesellschaft; „Von der Pflicht“ (Precht) – führt die Frage nach Verantwortung und Bürgersinn weiter; „Im Grunde gut“ (Rutger Bregman) – ebenfalls gegen das Bild vom Menschen als kühl rechnendem Egoisten.
  • Wissenswert: Der Titel dreht Josef Kirschners Ratgeber „Die Kunst, ein Egoist zu sein“ (1976) um. Und Precht dankt der Deutschen Bahn: Ein Großteil entstand im Zug, vor allem auf der Moselstrecke zwischen Köln und Luxemburg (Einleitung, Leseprobe).

Worum es geht

  • Ausgangsfrage: Was wissen wir über die moralische Natur des Menschen, und warum handeln wir so selten nach unseren guten Absichten?
  • Teil „Gut und Böse“ (15 Kapitel): von Platons Idee des Guten über Hobbes und die Evolutionsbiologie bis zu Affenstudien, Fairness, Gefühl gegen Vernunft und Selbstbild.
  • Teil „Wollen und Tun“ (11 Kapitel): Gruppendenken, Milgram-Experiment, Ausreden, „moralische Buchführung“ – die Kluft zwischen Anspruch und Verhalten.
  • Teil „Moral und Gesellschaft“ (12 Kapitel): Wohlstandsmessung, Wirtschaft, Bürgersinn, Demokratie – mit Vorschlägen für Politik und Gesellschaft.
  • Kapitel „Platons Talkshow“ stellt Platons Suche nach dem Guten vor und kritisiert seine lustfeindliche Strenge und das unbestimmte „Gute“.

Auszeichnungen & Listen

  • keine geprüften gefunden (2026-10-28). Der Beobachter (2010-12-21) zählt das Buch zu Prechts Titeln, mit denen er „die Bestsellerlisten erobert“ habe – ohne Liste und Platz.

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Hardcover 2010, Taschenbuch 2012 (Goldmann). Hörbuch-Download (Lesung mit Musik, 6 h 23 min, gelesen von Caroline Mart und Richard David Precht, laut Verlag).

Stimmen aus Rezensionen

  • Keine Feuilleton-Rezension gefunden (Websuche 2026-10-28; Perlentaucher führt das Buch nicht).
  • Beobachter, Interview (2010-12-21, beobachter.ch): Precht erläutert die Kernthese – Menschen seien von Natur aus nicht auf rücksichtslosen Egoismus angelegt, Beleg sei unter anderem das Ultimatumspiel. Kein Urteil über das Buch.
  • Pressestimme auf der Leseprobe des Verlags: „Emotion“ – das Buch mache Lust, Dinge zu hinterfragen.
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