Anna, die Schule und der liebe Gott

Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern von Richard David Precht

Prechts Streitschrift von 2013: Die deutsche Schule töte Neugier und Kreativität, statt einer weiteren Reform brauche es eine „Bildungsrevolution“.

  • 352 Seiten
  • Anspruch: mittel

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Für wen?

Eltern, Lehrer, Schulleiter und Bildungspolitiker – an diese Gruppen (und an Schüler) richtet sich Precht in der Einleitung ausdrücklich; dazu Leser, die die Schuldebatte grundsätzlich statt fachdidaktisch führen wollen.

Wie liest es sich?

Beginnt mit einer Anekdote und einem zugespitzten, oft ironischen Vorwort in Ich-Form; danach ein ideengeschichtlicher Essay (Meister Eckhart, Kant, Humboldt) mit vielen Zitaten und Anmerkungen. Lange Sätze, polemische Spitzen, zwischendurch erzählende Passagen wie die über Humboldts kurze Zeit als Minister.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Lernen geht anders“ (Remo H. Largo, 2010) und „Schulaufgaben“ (Jutta Allmendinger, 2012) – beide kritisieren wie Precht ein auf Stoff und Auslese fixiertes Schulsystem (Perlentaucher führt sie als ähnliche Bücher); „Jäger, Hirten, Kritiker“ (Precht, 2018) – greift die hier angerissene Frage auf, wie Digitalisierung Arbeit und Gesellschaft verändert.
  • Wissenswert: Der Titel kommt aus einer Anekdote, die Precht von Ken Robinson übernimmt: Anna malt den lieben Gott – und als der Lehrer einwendet, niemand wisse, wie er aussieht, antwortet sie, in fünf Minuten wisse man es (Leseprobe, 2026-10-28). Gewidmet ist das Buch mit sichtbarer Ironie der Kultusministerkonferenz.

Worum es geht

  • Vorwort „Anna und die Schule“ (datiert Köln, Februar 2013): Precht beschreibt Frontalunterricht, 45-Minuten-Takt und Noten als historisch überholt, beruft sich auf OECD-Vergleiche und viele Schulbesuche und will alte Lagerkämpfe in der Bildungsdebatte überwinden.
  • Teil „Die Bildungskatastrophe“: Was Bildung ist, soziale Auslese in der Schule, PISA und G8, das Dilemma der Schulen, der Lehrerberuf.
  • Teil „Die Bildungsrevolution“: Wie Lernen funktioniert, individualisiertes Lernen, Unterricht jenseits von Fach und Note, bessere Schulen, Bildung für alle – laut Inhaltsverzeichnis.

Auszeichnungen & Listen

  • Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste vom 6. bis 19. Mai 2013 laut Wikipedia (de.wikipedia.org, abgerufen 2026-10-28; nicht an der SPIEGEL-Liste selbst geprüft).
  • Pressestimme laut Verlag aus „FOCUS Spezial – Die besten Bücher 2013“ (13.11.2013).

Reihe & Ausgaben

Stimmen aus Rezensionen

  • FAZ, Jürgen Kaube (29.04.2013, Notiz bei Perlentaucher: perlentaucher.de): sehr kritisch – Behauptungen statt Belege, wenig soziologisches und fachliches Gespür; Richtiges sei längst bekannt.
  • Die Welt, Peter Praschl (22.04.2013, welt.de, Fazit nach Wikipedia): die Diagnose stimme, sei aber nicht originell; das Buch nennt er ein überflüssiges Ärgernis.
  • Kulturradio (rbb), Gerrit Bartels (nach Wikipedia, de.wikipedia.org,_die_Schule_und_der_liebe_Gott): trotz Zuspitzung und Untergangsszenario ein bedenkenswertes Buch; viele Vorschläge plausibel, manches utopisch, die Radikalität habe etwas Sympathisches.
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