Angststillstand
Warum die Meinungsfreiheit schwindet von Richard David Precht
Warum glauben in einem freien Land immer weniger Menschen, ihre Meinung frei sagen zu können, obwohl kein Staat sie hindert? Precht sucht die Ursache in der liberalen Gesellschaft selbst.
- 208 Seiten
- Anspruch: mittel
Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442302314).
Leser, die die Debatte um Meinungsfreiheit, „Cancel Culture“ und Empörung im Netz verfolgen; Publikum von „Lanz & Precht“.
Zeitdiagnostischer Essay in der Ich-Form, 13 Kapitel von 9 bis 23 Seiten (Inhaltsverzeichnis) mit Frage-Untertiteln. Viele rhetorische Fragen, Umfragezahlen und Zitate, Anmerkungen im Anhang. Gut lesbar, eher zuspitzend als abwägend.
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: „Die vierte Gewalt“ (Precht/Welzer) – gleiche Stoßrichtung, dort gegen die Leitmedien; „Triggerpunkte“ (Mau, Lux, Westheuser) – empirische Studie zur Spaltung der Gesellschaft, von Precht im zweiten Kapitel zitiert; „Auserzählt?“ (Precht, 2026) – Nachfolger in Verlag und Ton.
- Wissenswert: Laut Allensbach meinten 2023 nur noch 40 Prozent der Deutschen, ihre Meinung frei äußern zu können (Leseprobe, Kapitel I). Ein Kapitel heißt „Axolotlisierung“.
Worum es geht
- Kapitel I: Precht unterscheidet die rechtlich geschützte von der „subjektiven Meinungsfreiheit“ (Begriff des Mannheimer Demokratieforschers Richard Traunmüller) – Selbstzensur beginne, wo soziale und mediale Ächtung droht. Der Freiheitsverlust komme nicht vom Staat, sondern aus Entwicklungen liberaler Gesellschaften; es gehe um „Mustererkennung“, nicht um Schuld.
- Kapitel II „Falsche Fronten“ bestreitet, dass sich hier nur zwei Lager gegenüberstehen.
- Weitere Themen laut Inhaltsverzeichnis: Individualisierung, wechselseitige Sensibilitäten, soziale Medien, Gesetze gegen „Desinformation“ und „Hassrede“, Empörungskultur, Kunst; Schluss „Rückkehr zur Resilienz“.
Auszeichnungen & Listen
- SPIEGEL-Bestseller laut Verlag (Zusatz im Produkttitel auf penguin.de, 2026-10-28); Platz und Datum nicht geprüft. Die Leseprobe nennt die „2. Auflage“.
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Weitere Precht-Titel bei Goldmann: „Die vierte Gewalt“, „Auserzählt?“.
Stimmen aus Rezensionen
- Süddeutsche Zeitung, Jens Hacke (16.10.2025, laut Perlentaucher perlentaucher.de): Den gefühlten Freiheitsverlust solle man ernst nehmen, die Stoßrichtung für offene Diskurse gefällt ihm. Kritik: chaotisch, kaum aktuelle Forschung, Klassiker von Aristoteles bis Tocqueville oft falsch wiedergegeben; insgesamt „eher wirr“, aber mit sinnvollen Anregungen.
- Berliner Zeitung, Gastbeitrag Michael Andrick (01.11.2025, berliner-zeitung.de): Antwort auf ein Precht-Interview zum Buch; nennt dessen Analyse eine „politisch korrekte Teilerklärung“ (nur Vorspann gelesen, Rest hinter Bezahlschranke).




