Tiere denken
Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen von Richard David Precht
Precht fragt quer durch Evolutionsbiologie, Religionsgeschichte, Philosophie und Recht, was den Menschen vom Tier trennt – und was daraus für Essen, Jagd, Tierversuche und Zoos folgt.
- 512 Seiten
- Anspruch: anspruchsvoll
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Für wen?
Leser, die zu Tierethik, Fleischkonsum oder Tierschutz einen breiten Überblick statt einer Kampfschrift suchen.
Wie liest es sich?
Persönliches Vorwort in der Ich-Form, danach ein dichter, ideengeschichtlicher Essay mit vielen Namen und Zitaten. Lange Kapitel, Anmerkungen, gehobener Wortschatz, aber kein Fachjargon.
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ (Precht, 2010) – ebenfalls über Moral und warum wir gegen eigene Einsichten handeln; „Die Befreiung der Tiere“ (Peter Singer, 1975) – der Klassiker, mit dem sich Precht ausdrücklich auseinandersetzt; „Artgerecht ist nur die Freiheit“ (Hilal Sezgin, 2014) – deutlich radikalere Tierrechtsposition, bei Perlentaucher als verwandtes Buch geführt.
- Wissenswert: Das Buch ist zahlreichen Tieren gewidmet, die „unter meinen unsachkundigen Händen“ lebten, darunter „Frank-Walter & Angela“ (Widmung, Leseprobe). Im Vorwort zitiert Precht eine Allensbach-Umfrage von 2015 mit 7,8 Millionen Vegetariern und 900.000 Veganern in Deutschland.
Worum es geht
- Vorwort: Precht erzählt von seiner Tierbegeisterung als Kind, vom Tierrechtskongress in Braunschweig 1997 und von „Noahs Erbe“ (Herbst 1997). Seitdem seien Zahlen veraltet und Forschung wie eigene Sicht weiter – daher stelle er die Fragen neu.
- Einleitung: Seit Darwin ist die Verwandtschaft von Mensch und Tier belegt, rechtlich und moralisch bleibt die Grenze aber bestehen. Precht schlägt statt Anthropologie eine „Anthrozoologie“ vor.
- Vier Teile: „Das Menschentier“ (Evolution, Primaten, Bewusstsein), „Das Tier im Auge des Menschen“ (Religionen und Philosophie von Ägypten bis zur Aufklärung), „Eine neue Tierethik“ (Singer, Regan, eigene „Ethik des Nichtwissens“) und „Was tun?“ (Tierschutzgesetz, Jagd, Ernährung, Tierversuche, Zoos).
- Erstes Kapitel: wie Linné, Lamarck und Darwin die Natur ordneten und wie viel menschliches Wunschdenken darin steckt.
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Vorgänger ist Prechts erstes Sachbuch „Noahs Erbe“ (1997, gleicher Untertitel, vergriffen; gebraucht ASIN 3880225176), auf das er sich im Vorwort ausdrücklich bezieht; der Freitag (2016-11-04) nennt das neue Buch eine Anknüpfung daran. Kein eigener Eintrag für „Noahs Erbe“.
- Hörbuch auch in der Sammlung „Die Essays“ (ASIN 3844544240, laut Amazon nicht verfügbar, 2026-10-28).
Stimmen aus Rezensionen
- FAZ, Markus Wild (2016-10-18, nach Perlentaucher): die Tierethik sei weniger „neu“ als behauptet, das Vertrauen auf Intuition eine „Psychologisierung von Moral“; den praktischen Schlussteil las er mit Gewinn.
- der Freitag, Community-Blog, Jan Rebuschat (2016-11-04, freitag.de): sachlich und differenziert, ohne Pathos; die Kapitalismuskritik greife zu kurz.
Inhaltshinweise
- Schilderungen von Tierversuchen, Massentierhaltung und Tötung (Leseprobe, Inhaltsverzeichnis, 2026-10-28).
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