Das Jahrhundert der Toleranz

Plädoyer für eine wertegeleitete Außenpolitik von Richard David Precht

Precht hält der deutschen Außenpolitik vor, mit dem Schema „Demokratien gegen Autokratien“ ein altes Feindbild neu aufzulegen, und wirbt in einer multipolaren Welt für Toleranz statt Systemkampf.

  • 288 Seiten
  • Anspruch: anspruchsvoll

Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442316076).

Für wen?

Leser, die die Debatte über China, die Ukraine und „wertegeleitete Außenpolitik“ aus philosophischer Sicht und gegen den Strich gebürstet lesen wollen; Hörer von „Lanz & Precht“.

Wie liest es sich?

Philosophischer Essay in 14 Kapiteln, lange Sätze, viele Begriffsunterscheidungen (Problem und Herausforderung, Affekt und Interesse) und Bezüge auf Cassirer, Kant und Kierkegaard. Wenig Anekdote, viel These; Kapitel I ist ein knappes, programmatisches Vorwort.

Kurzprofil

  • Ähnliche Bücher: „Die vierte Gewalt“ (Precht, Welzer, 2022) – die Medienkritik, auf die dieser Essay mehrfach aufbaut; „Von der Pflicht“ (Precht, 2021) – gleiches Muster eines tagespolitischen Philosophie-Essays; „Welt in Aufruhr“ (Herfried Münkler, 2023) – ebenfalls über die neue multipolare Ordnung der Mächte, aber aus Sicht eines Politikwissenschaftlers mit anderen Schlüssen.
  • Wissenswert: Als Motto steht ein Satz des indischen Außenministers Subrahmanyam Jaishankar: Europa müsse aufhören zu glauben, seine Probleme seien die Probleme der Welt, die Probleme der Welt aber nicht seine (Leseprobe, 2026-10-28).

Worum es geht

  • Kapitel I „Die Ohnmacht der Vernunft“: Precht erklärt, warum er keine „Lösungen“ anbietet – politische Fragen seien keine Rechenaufgaben – und warum Politik und Medien eher vom Affekt als von nüchterner Abwägung getrieben würden. Er misst die Debatte an der Menschenwürde: Wer Kriegstote in Europa wichtiger nimmt als im Jemen, stufe sie stillschweigend ab.
  • Kapitel II beginnt mit den globalen Risiken nach dem Weltwirtschaftsforum (Klima, Extremwetter, Artensterben) und der Frage, wer sie verursacht.
  • Laut Inhaltsverzeichnis folgen u. a. Kapitel zu Feindbildern, „systemischer Rivalität“, Identitätspolitik gegen universalistischen Humanismus, Menschenrechten und der Kritik am Begriff „westliche Werte“.

Auszeichnungen & Listen

  • „Der SPIEGEL-Bestseller“ laut Verlag (Penguin-Verlagsseite, 2026-10-28; Listenplatz nicht selbst geprüft)

Reihe & Ausgaben

  • Einzelband. Hörbuch bei der Hörverlag, gelesen von Richard David Precht, Regie Martin Möller, 343 Minuten, ungekürzt (bic-media, 2026-10-28).

Stimmen aus Rezensionen

  • Süddeutsche Zeitung, Moritz Baumstieger (31.05.2024, laut Perlentaucher perlentaucher.de): zu viele Leerstellen; die Thesen zur multipolaren Weltordnung seien nicht neu, Ideen zu Ukraine, Nahost und Frieden fehlten; die Angriffe auf die Grünen und Annalena Baerbock deutet er als persönliche Fehde.
  • Leipziger Internet Zeitung, Jens-Uwe Jopp (04.10.2024, l-iz.de): lobt die überzeugende Rhetorik und den Gedanken, dass Werte zuerst selbst gelebt werden müssen, und nennt das Buch lesenswert und anregend; die Kritik an Doppelstandards trifft er inhaltlich mit; Einschränkung: Precht öffne viele große weltpolitische „Fenster“.
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