Von der Pflicht
Eine Betrachtung von Richard David Precht
Precht nimmt die Corona-Pandemie als Brennglas und fragt, was Bürger dem Staat und einander schulden – und was der Staat ihnen.
- 176 Seiten
- Anspruch: mittel
Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442142880).
Leser, die die Debatten um Corona-Maßnahmen, Solidarität und ein soziales Pflichtjahr philosophisch einordnen wollen; Precht-Publikum aus Fernsehen und Podcast.
Kurzer Essay in nummerierten Kapiteln, Ich-Perspektive des „politisch interessierten Philosophen“. Lange, verschachtelte Sätze, gehobener Wortschatz, Bezüge auf Nietzsche und Camus; im ersten Kapitel deutlich zugespitzt gegenüber den lautstarken Maßnahmen-Gegnern.
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ (Precht, 2010) – seine ausführliche Moralphilosophie über Eigennutz und Gemeinsinn; „Die vierte Gewalt“ (Precht/Welzer, 2022) – nimmt ebenfalls die Corona-Debatten auf, dort mit Blick auf die Medien; „Vom Ende des Gemeinwohls“ (Michael J. Sandel, 2020) – fragt aus amerikanischer Sicht, was eine Gesellschaft zusammenhält.
- Wissenswert: Das Buch schlägt zwei verpflichtende Gesellschaftsjahre vor, eines nach der Schule und eines zu Beginn der Rente (SRF, 2021-06-19). Im Vorwort von 2023 schreibt Precht, das Buch habe dazu beigetragen, dass die CDU ein Pflichtjahr nach dem Schulabschluss angeregt habe (Leseprobe, 2026-10-28).
Worum es geht
- Geschrieben im Winter 2020/21: Die Pandemie zeige wie unter einem Brennglas, wie es um Pflicht- und Verantwortungsgefühl in Deutschland steht. Precht verteidigt den altmodisch klingenden Begriff – mit Nietzsche als „das Recht der anderen auf uns“ – gegen ein Freiheitsverständnis, das Pflichten nur noch als Steuern und Strafgesetze kennt.
- Kapitel 1 lobt die Mehrheit, die sich an die Maßnahmen hält, und geht hart mit einer kleinen, lauten Minderheit ins Gericht, die lieber die Wirklichkeit umdeutet als ihr Verhalten ändert.
- Angekündigt: Pflichten des Staates gegenüber den Bürgern, Pflichten der Bürger gegenüber der Gesellschaft, im Schlusskapitel der Vorschlag zweier Gesellschaftsjahre.
- Das neue Vorwort (Mai 2023) betont die „doppelte Stoßrichtung“: Pflichtbewusstsein stärken, aber nicht jede persönliche Entscheidung dem Gemeinwohl opfern; eine allgemeine Impfpflicht hält Precht für nicht geboten.
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Hardcover und E-Book erschienen am 29.03.2021, das Taschenbuch im Mai 2023 mit neuem Vorwort.
Stimmen aus Rezensionen
- SRF, Kultur (2021-06-19, srf.ch): stellt den Vorschlag der zwei Pflichtjahre vor und ordnet ihn in die Schweizer Debatte um einen Bürgerdienst ein; als Gegenargumente nennt der Beitrag die Mehrbelastung von Frauen und die Sorge, Pflicht verdränge freiwilliges Engagement.
- Passauer Neue Presse (2021-05-11, laut Verlag): lobt starke Argumente und Denkanstöße, ein Buch, das zur Diskussion anregt.
- Precht selbst schreibt im Vorwort 2023, die abwägende Seite des Buchs sei oft nicht wahrgenommen worden.




