Jäger, Hirten, Kritiker
Eine Utopie für die digitale Gesellschaft von Richard David Precht
Wenn Maschinen einen Großteil der Lohnarbeit übernehmen, könnte das alte Versprechen wahr werden, morgens zu jagen und abends zu kritisieren – vorausgesetzt, die Politik stellt jetzt die Weichen, etwa mit einem bedingungslosen Grundeinkommen.
- 288 Seiten
- Anspruch: mittel
Affiliate-Links. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung – ein neues Buch kostet überall gleich viel, auch in deiner Buchhandlung vor Ort (ISBN 9783442159987).
Leser, die Digitalisierung gesellschaftlich statt technisch verstehen und über Zukunft der Arbeit und Grundeinkommen mitreden wollen.
Schwungvolle Streitschrift im Präsens mit vielen rhetorischen Fragen und Ausrufen, gespickt mit Zitaten von Morus, Oscar Wilde, Marx und Engels, Musil und Star Trek. Kurze Absätze, zugespitzte Sätze, kaum Fachbegriffe; zwölf Kapitel in drei Teilen („Die Revolution“, „Die Utopie“, „Nachtgedanken“).
Kurzprofil
- Ähnliche Bücher: „Freiheit für alle“ (Precht, Taschenbuch 2024) – führt das Thema Ende der Lohnarbeit weiter; „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“ (Precht, 2020) – der nächste Digital-Essay, stärker zum Menschenbild; „Utopien für Realisten“ (Rutger Bregman) – ebenfalls ein Plädoyer für Grundeinkommen und weniger Arbeit.
- Wissenswert: Der Titel stammt aus der „Deutschen Ideologie“ von Marx und Engels (1845); das Vorwort beginnt mit Captain Picard aus „Star Trek: Der erste Kontakt“ und der Idee einer Welt ohne Geld (Leseprobe). Platz 2 der SPIEGEL-Bestsellerliste Sachbuch in Denis Schecks Besprechung vom 06.08.2018 (Tagesspiegel).
Worum es geht
- Vorwort „Der erste Kontakt“: Vom Traum einer Gesellschaft ohne Lohnarbeit (Morus, Campanella, Bacon, Wilde, Marx und Engels) zur Gegenwart 2018, in der Automatisierung ihn erstmals möglich machen könnte. Precht will Fatalismus durch einen „Optimismus des Wollens und Gestaltens“ ersetzen; entscheidend sei nicht die Technik, sondern die Kultur.
- Erstes Kapitel: vierte industrielle Revolution im Vergleich zu den früheren, Effizienzdenken, Plattform-Kapitalismus, Studien zu Jobverlusten.
- Weiterer Aufbau laut Inhaltsverzeichnis: Dystopie und „Retropie“, dann die Utopie – Welt ohne Lohnarbeit, Grundeinkommen und Menschenbild, Neugier und Sinn, Regeln für die Menschlichkeit, „Abschied vom Monetozän“ – und ein Ausblick auf die Folgen für die ganze Welt.
Auszeichnungen & Listen
- SPIEGEL-Bestseller Sachbuch: Platz 2 in der von Denis Scheck besprochenen Liste (Tagesspiegel, 2018-08-06, tagesspiegel.de)
Reihe & Ausgaben
- Einzelband. Hörbuch auch in der Sammlung „Die Essays“ (ASIN 3844544240, laut Amazon nicht verfügbar, 2026-10-28).
Stimmen aus Rezensionen
- FAZ, Armin Nassehi (2018-06-30, nach Perlentaucher): Precht treffe einen Nerv; verdienstvoll sei die Unterscheidung von digitalem und Betriebskapitalismus, am stärksten die Diskussion der Finanzierung des Grundeinkommens. Kritik: manche allzu wohlfeile Kulturkritik.
- NZZ, Claudia Mäder (2018-07-25, nzz.ch): bei den vielen Nebenthemen kaum Neues und viel Wohlfeiles, mahnender Ton und „apodiktischer Alarmismus“; trotzdem lohne es, einigen Gedankengängen zu folgen.
- Tagesspiegel, Denis Scheck (2018-08-06): „Ein reiches Buch, das zum Widerspruch wie zum Beifall reizt.“




